In der faszinierenden Landschaft kommen auf vielfache Weise Natur und Kultur zusammen
Stolz blickt sie ins Land: die alte Stauferburg Lichtenberg bei Oberstenfeld im oberen Bottwartal. Die Geschichte der Burg reicht weit zurück in die Zeit der schwäbischen Europa-Kaiser Barbarossa und Friedrich II. Womöglich noch älter als die 900 Jahre alte, trutzige Stauferburg ist der Weinbau am Lichtenberg. Schon die Alamannen haben den Hang am Rand der Schwäbisch-Fränkischen Waldberge "Lichtberg" genannt. Vielleicht weil man schon früh erkannte, dass die Sonne den Hang besonders verwöhnt.
Demnach gibt es im Bottwartal allerdings viele Lichtberge. Denn die Landschaft, die klimatisch vom Neckarbecken profitiert, bietet mit ihren nach Süden geneigten Keuperhängen beste Voraussetzungen für den Weinbau. Wer die Autobahn Stuttgart-Heilbronn an der Ausfahrt Mundelsheim/Großbottwar verlässt und auf der Landesstraße Richtung Backnang fährt, bekommt alsbald einen prägnanten Eindruck dieser Landschaft. Einer Landschaft, die von den sanften Abhängen der Keuperrücken des Schwäbisch-Fränkischen Waldes und vorgelagerter Zeugenberge wie dem Wunnenstein, dem Forstberg und dem Köchersberg geprägt wird. Diese Landschaft mit Wiesen im Talgrund, vielen Weinbergen an den Hängen und weiten Wäldern auf den Höhen hat einen ganz eigenen Zauber. Und so ist es kein Wunder, dass überall Siedlungsspuren schon aus der Jungsteinzeit gefunden wurden, dass fleißige Menschen, aber auch repräsentationswillige und machtbewusste Herrschaften angezogen wurden. Das Bottwartal und die Nachbargebiete könnte man insofern getrost als Schwäbisches Burgenland bezeichnen.
Da ist bei Abstatt die in das 12. Jahrhundert zurückreichende, archaisch anmutende Burg Wildeck mit den vom Staatsweingut Weinsberg bewirtschafteten Rebflächen. Südlich davon, in Sichtweite, liegt die Burgruine Helfenberg, die ebenfalls aus mittelalterlicher Zeit stammt und in den Bauernkriegen zerstört wurde. Bei Beilstein ist schon von weitem der stolze Bergfried Langhans, der mächtige Turm der heute der Stadt gehörenden Burg Hohenbeilstein, als Wahrzeichen zu sehen.
Wo Adler und Geier kreisen
Besucher, die sich in dieser Landschaft nicht so gut auskennen, sind oftmals erstaunt, wenn sie über der Burg und der umgebenden Landschaft Geier und Adler fliegen sehen. Doch der Blick täuscht nicht, denn auf dem Hohenbeilstein ist eine Burgfalknerei untergebracht, die mit ihren Vorführungen an die Zeit der einst mit Greifvögeln jagenden Rittersleute erinnert. Und auch einkehren kann man hier in alten Burgmauern.
In Sichtweite befindet sich wiederum der Lichtenberg mit der ihn krönenden Stauferburg, die als eine der besterhaltenen mittelalterlichen Burgen gilt. Auf dem heute zur Gemarkung von Großbottwar gehörenden Wunnenstein thronten einst ebenfalls eine Burg und eine Michaelskirche. Hier sammelten sich in den Bauernkriegen 1525 die Aufständischen. Heute erinnert noch ein später an der Stelle der Burg errichteter Aussichtsturm gleich oberhalb der Berggaststätte Wunnenstein an diese Zeiten. Weiter unten im Bottwartal, versteckt an einem dicht bewaldeten Prallhang des Flüsschens, liegt die Burg Schaubeck bei Steinheim-Kleinbottwar, 1272 erstmals urkundlich erwähnt, heute Sitz des Grafen Adelmann und des gleichnamigen Weinguts.
Kultur findet man im Bottwartal auf Schritt und Tritt. Erstaunlich viele Kulturdenkmäler sind auch in den stolzen Weinbaudörfern und –städten erhalten geblieben. Da ist das mächtige Fachwerkrathaus von 1556 im Herzen von Großbottwar. Ein Renaissance-Fachwerkbau mit einer Rathausuhr von 1776 von Philipp Matthäus Hahn und einem Holz-Storch, dem Wappen des Ortes, der immer zur vollen Stunde mit dem Kopf nickt. Nur wenig kleiner, aber genauso beeindruckend sind die Fachwerkrathäuser in Steinheim an der Murr, dem dazugehörenden Ortsteil Kleinbottwar sowie in Beilstein und Oberstenfeld. Dort befindet sich auch die heute dem Land Baden-Württemberg gehörende Stiftskirche mit einer Säulenkrypta aus dem 11. Jahrhundert und, etwas vom Ort abgelegen, die Peterskirche, ebenfalls ein Kleinod romanischer Baukunst.
Erlebnisreicher Bottwartal-Radweg
Ob Natur oder Kultur, am besten lässt sich die Landschaft zwischen Wald, Wein und den feuchten Riedwiesen des Talgrunds mit dem Fahrrad erkunden. Der Bottwartal-Radweg verläuft ab Steinheim auf der Trasse der ehemaligen Schmalspur-Eisenbahn, welche einst Marbach am Neckar mit Heilbronn verbunden hat. Die für das Tal namensgebende Bottwar entspringt bei Prevorst, dem hochgelegenen heutigen Ortsteil von Oberstenfeld auf einer Höhe von 480 Metern. Dieser Bereich des Schwäbisch-Fränkischen Waldes gehört noch zu den waldreichen Löwensteiner Bergen. Die Bottwar, die nach etwa 20 Kilometern Fließstrecke auf einer Höhe von 194 Metern bei Steinheim in die Murr mündet, ist so lebendiges Bindeglied zwischen den Schwäbisch-Fränkischen Waldbergen mit ihren Sandstein-Formationen des Keupers und den meist mit Löß bedeckten Gleithängen und Hochflächen der Gäulandschaften des Neckars.
Idyllisches Keuper-Bergland
Weinbaulich gliedert sich der Bereich in die von den Sandsteinen und Mergeln des Keupers geprägten Hängen, Ausläufer und Zeugenberge des Keuper-Berglandes, dem eigentlichen Bottwartal und den vom Muschelkalk, zum Teil mit Löß-Auflage geprägten Bereichen der unteren Murr bei Steinheim und Murr. In Steinheim wurde übrigens der bisher drittälteste Mensch Deutschlands gefunden: der Homo Steinheimensis (mindestens 250 000 Jahre alt).
Die Weinberge ziehen sich zum Teil weit in die Seitentäler der Bottwar hinein. So etwa bei dem zu Beilstein gehörenden Ortsteil Billensbach. Das obere Schozachtal ist vom Bottwartal nur durch einen bewaldeten Höhenrücken getrennt. Die Gebiete östlich der Autobahn Stuttgart-Heilbronn mit ihren ausgedehnten Rebflächen bei Auenstein, Abstatt und Unterheinriet stehen deshalb ebenso im Zusammenhang mit dem Bottwartal wie die ebenfalls versprengt gelegenen, oft kleineren Weinberglagen östlich des Bottwartals. Auch dort, am Rande des hier dichter werdenden Schwäbischen Waldes, sind die Weinberge – etwa bei Kleinaspach, Allmersbach und Rietenau – Teil eines idyllischen Landschaftsmosaiks.
Text aus "Weinerlebnisland Württemberg" (Seite 70 bis 74)
von Andreas Braun, Claus-Peter Hutter und Günter Bäder mit freundlicher Genehmigung des Silberburg-Verlags Tübingen.
Ein Nachschlagewerk und Lesebuch – reich bebildert, mit Informationen, Karten der Weinbaugebiete, vielen Ausflugstipps und Hinweisen zu mehr als 220 Weinerzeugern in Württemberg.
24,90 Euro, ISBN 978-3-87407-729-3
Erhältlich in jeder guten Buchhandlung oder über
NatureLife-International (24,90 Euro zuzüglich Verpackung und Versand)
Bahnhofstr. 35
71638 Ludwigsburg
info@naturelife-international.org
www.naturelife-international.org
Weitere Informationen zum Bottwartal bietet die Website der Tourismusgemeinschaft Marbach-Bottwartal:
www.marbach-bottwartal.de